Sonntag, 28. Februar 2010

Flachbeckentauchen

Hatte mich gewundert, was die Unterwassergemälde im Schwimmbad bedeuten, und der ausgestopfte Taucher am Eingang zum Saunabereich war mir erst nach Tagen aufgefallen. Manchmal stiegen Kinder ins Becken, der Bademeister holte dann schwarze Packen mit Rohren und Strippen hervor, ich seh das ohne Brille kaum, interessierte mich auch nicht. Gestern, am Samstag, waren dann all die Packen am Start. Tiefseetauchen ist eine Spezialität im Senator-Hotel, draußen lag auch die ganze Zeit ein schweres Motorgummiboot im Schnee, jetzt konnte ich es einordnen, das lässt sich auf Gleisen zum Strand schieben, die Tauchermannschaft springt auf und: Hinein!
Gestern kamen sie aus dem Ort, fast alles Männer, schwammen erst einmal 100 Meter in pflügendem Schmetterlingsstil, die Tauchgeräte geputzt und in Reihe ausgerichtet am Beckenrand, schnallten sie sich dann umständlich um, ließen sie paarmal lustig pfeifen, Luft ein, Luft aus, dann noch Schwimmflossen angezogen, Chlorschutzbrillen bereit - und ab: Die gleichen Bahnen wie wir anderen Schwimmer, aber mit was einem Aufruhr, 1 Meter 70 Tiefe, da fährt man als Taucher gewaltig ein, Luft ein Luft aus, mit vier Geräten am Leib nach unten, dann wieder hoch, wieder runter, querbeet, winken, denn jemand draußen am Beckenrand filmt - eine freiwillige Feuerwehr, die testet, ob noch alles geht - eine halbe Stunde später hingen sie schon in den Whirlpools, der Bademeister verstaute die Tauchgeräte wieder, bis Kinder kommen. Oder die Hauptsaison beginnt.

Samstag, 27. Februar 2010

Kolberg 2ter Teil

Kolobrecz - größer noch, am Fluss landeinwärts, Center und Rathaus und Gassen auf alt, wie das Nicolaiviertel, muss Kahlschlag gewesen sein in der Stadt im Krieg.
Auch die Basilika wiederaufgebaut, wird genutzt, nicht nur von alten Frauen, auch jungen, die wie in Gesprächsunterbrechung in ein Gebet fallen, erfrischt wieder gehen. Ein Alter wirft sich gleich hinter'm Eingang auf die Knie, das muss weh tun. Wiederaufgebaut noch im Sozialismus, erklärt ein Fremdenführer einer deutschen Gruppe, er wirkt wie mitgebracht und sagt "der Pole" - ich stelle mich nicht dazu. 'Der Pole' hat die Kirche dann auch geweiht, ein Dutzend Bilder und Fotos erzählen es. Andere Fotos und Texte beschreiben die stalinistische Umsiedlungspolitik, eine Stelltafelausstellung, ich stehe lange davor und versteh leider kaum ein Wort.

So geht's mir auch in einem richtig hübschen Café mit richtig hübschen Menschen drin zu schwerer tragender Musik, sie schlürfen farbige Milchcocktails, auf die ich nur zeigen könnte, um sie zu bestellen, das ist mir zu doof. Also einen Espresso. Dann zum Museum of Polish Arms, in der deutschen Variante mit Museum Museum ausgeschildert, als müsse das Wort Waffe vermieden werden.

Kurzfassung:
Mit der Schlacht bei Cedynia 971 geht's los, Brandenburgia contra Slavenvolk, späteres Polen.
Ritterrüstungen, Pfeile, Lanzen, Stilette, rostige Fäustlinge, gebraucht gegen fortwährende Angriffe aus dem Westen, später auch von den Dänen, der Hanse, Schiffsplanken aus dem 17. Jahrh., erste Büchsen, Mantelsäcke, dann kamen die Schweden (es gibt eine Unterbrechung: Ein Handwerker bohrt an der Decke, ich werde gebeten, kurz zu warten, dann geht er laut seufzend, die Museumsfrauen bleiben zurück und eine stille Frage steht im Raum) -
Bomby Granaty zum Schleudern, später zum Explodieren, eine Geschichte der Signale, Hôrner, Lichter, und Sammlung schicker Uniformen, Pistoletten kommen in Mode, aber die strategischen Bewegungen der Armee sehen doch einigermaßen eingeschränkt aus. Kaum Land zum Verteidigen zeitweise da.
Schon sind wir beim 1. Weltkrieg, und danach ist mehr auszustellen, Polska Kawaleria mit ausgestopftem Pferd, Fernrohre, Funker, grüngrau schlicht überwiegt, Motorradboten, Ubior Oficera mit Pelzmantel, Stacheldraht, unversehens KZ-Kleidung. Eine 'Kolberger Zeitung' im Original: "Der Führer ebnet den Polen den Weg - Warschau aber lehnt ab!"
'Bekanntmachungen': Todesstrafe auf das Beköstigen von Juden und
Auferlegung von 10.000 sl. Strafe auf das Dorf Solki wegen Unterstützung russischer Kriegsgefangener.
Dann die Rote Fahne des Batalion Odra.
Allierte Uniformen jeder Art stehen in einem Schrank, die sowietische keineswegs vorneweg, ein Manifest Polskiego Komitetu wyzwolenia Narodowego aus Chelm, 22.7.44, burka-ähnliche Verkleidungen für die Männer in den Unterständen, dann der Sturm von Kiew über Lublin, Warschau, Bydgoszcz zur Oder und rein nach Berlin.
Kriegsarchäologie: am 4. März 45 bei Kolobrzeg abgeschossenes deutsches Flugzeug Focke-Wulf 190 F wird im Herbst 91 aus dem Meer gefischt, Taucher bringen die Devotionalien hoch: Soldbuch, Schießbuch, Zehnmarkscheine, Leistungsbuch, Zirkel, Lineal und Nagelknippser. Die ertrunkenen Feldwebel Horst Stobbe (Pilot) und Gefreiter Johannes Ewers (Mechaniker) werden am 9.1.92 auf dem polnischen Militärfriedhof beigesetzt.
Dann Kampf um Kolberg (deshalb der Kahlschlag draußen, die Pseudoaltstadt) am 18. März 45, ein Panoramabild mit Schlachtenlärm und Meeresgrimmen als Geräuschkulisse erzählt davon. Vor das Bild hat man an einem 'Strand' Fundstücke aus den Tagen damals hingelegt, zerrissene Helme, Reifen, Raketen, Mörser, Stiefelsohlen (man geht barmherzig mit den Gefühlen der Betrachter um).
Während ich noch gucke, ist der Handwerker wieder da und bohrt weiter. Auf einmal Fluch, Aufschrei, Stromausfall, still liegt der Schlachtmüll, das Tonband steht.

Draußen im Hof für die Kinder dann die eigentliche Überraschung: Jede Menge rostige Lastwagen, Kleinflugzeuge, Raketen, Barkas, Motorräder, alles, was ein Abenteuerherz begehrt.

Beim Weitergehen fällt mir auf, wie in Mode hier noch diese Freizeitsoldatenkleidung ist mit Tarnhosen und Netzhemden. An der Mole werden robbende MP-Soldaten im Batteriebetrieb verkauft, Iraque-proofed? Und dass es Grund zum Feiern gab, als Polen wieder ans Meer kam nach dem Krieg, Vermählungsdenkmal, ist jetzt auch klar geworden.

So schärft der Museumsbesuch den Blick auf die Wirklichkeit - anstrengend aber schon...

Freitag, 26. Februar 2010

Diätclub

Sie kommen morgens immer kurz nach mir, gegen Neun, aber anders als ich gehn sie nicht ans Buffet und ordern sich Rührei mit Speck, Käse, Schnittlauch oder Pilzen. Der Kellner bringt ihnen Brot und Gemüse, Saft und Tee, sein Lächeln gemischt aus fürsorglich und schadenfroh. Sie kommen auch nicht aus dem Bett wie ich um Neun, mit Stöcken kommen sie, luftgeglühte Gesichtshaut, vom Wandern seit weiß-ich- wie-lang. Ich weiß es eben nicht. Acht Frauen, von sehr unförmig bis eigentlich schon schlank. Lustig, einander lustig machend essen sie. Dann wird wohl eine Pause sein. Um Elf sind sie im Bad, und eine Trainerin trimmt sie fast wortlos eine Stunde. Die Heldinnen. Am Nachmittag das Gleiche noch einmal. Ich sehe meistens zu von meiner Liege oder schwimme am Rand etwas hin und her. Sicher denkt die eine oder andere: Der hätte es aber gerade nötig, der. Wenn ich das denke, will ich immer rüber winken, hab ich einmal auch gemacht, war wohl der falsche Moment, hat keine interessiert.
Die Trainerin ist halb so groß wie die Diätclub-Frauen, halb so alt, und in anderer Lebenslage oder Hierarchie wäre sie deshalb wohl ganz unten. Jetzt regiert sie ihre Gruppe ohne Worte, nur mit Schnalzen, Klatschen, Gesten. Die wildesten Verrenkungen führt sie vor und verlangt die Umsetzung im Wasser. Über ihren Frauen an Beckenrand steht oder hockt sie, springt plötzlich in eine Stellung, in die man mich schmerzvoll und langwierig verknoten müsste. Und die da unten im flachen Wasser ja auch. Und verlangt trotzdem die sofortige Nachahmung. Kontrolliert das Gelingen, Grade des Fortschritts. Lächelt eigentlich ununterbrochen, so aufmunternd und wegwischend, nimmt die Füße hintern Kopf, bleibt trotzdem gerade stehn und lächelt: Los! Das ist doch gar nichts!
Die Diätclub-Frauen wissen, wofür sie hier sind, dass sie dafür bezahlt haben. Das macht sie leicht und froh, auch wenn die meisten von ihnen schwer sind. Man merkt es kaum, kommen sie im Gang entgegen, sie lachen mich an, ich lache schüchtern zurück und fange an, sie um die Aufgabe zu beneiden, der sie sich unterziehen, ob sie nun abnehmen werden dadurch oder nicht. Ich wünsche ihnen, dass ja.

...

12 km Strand in jeder Richtung, menschenleer, da hoffe ich wieder klarzukommen. So Hanns Dieter Hüsch, frei zitiert. Hier ist es Schneestrand, funkelnde, genauso schneeweiße Gischt, lachende Augen der Sonnenanbeter, wenn sie vor Hitze aufschauen. So plötzlich so heiter die Gegend. Alle wussten es schon, als ich dazukam. Wir müssen stapfen, um voran zu kommen, Vorsicht, nah bei den Wellen ist man plötzlich über ihnen. Ein paar Möven kapern sich eine Eisscholle zum Draufschaukeln. Ich warte, dass Skifahrer hier vorbeiziehn.

Mittwoch, 24. Februar 2010

Nach Kolberg ...

... das ich nach der Schrift früher Kohlobretz aussprach, bis ich merkte, das es Kowobtscheck heißt. Das erste Mal hier war es heiß, wir staunten über den Fährbetrieb nach Bornholm, denn zwischen Dänemark und Polen lag für uns vor 11 Jahren mehr als ein Meer. Das zweite Mal hier, drei Jahre später, zeigte mir Max an einem Riesenrad im Vergnügungspark eine Plakette 'Tüv Bayern 1964', und wir fuhren dann nicht mehr damit.

Jetzt Kaffeehaus-Jazz im Bus. Dann George Michael und ein Chanson, eine Art Radio Figaro beschallt die Fahrt, da hat die Euro-Integration wohl nicht ganz gegriffen, denn auch wenn die Programmqualität ein Zufall war: das professionelle Schweigen des Fahrers zu 20 gleichzeitig tuckernden iPods wird erst noch kommen.

In Kolberg Urlaubsstimmung, dem Wetter getrotzt. Flaniermeile vor dem Sanatorium Uzdrowiskowe, in das ich hätte auch gehen können, es klang mir so medizinisch - ich hätte dann wildes Rentnerstadtleben um mich gehabt. Und wo ich gestern allein war, am vereisten Strand, wandern hier hundert und erholen sich fest entschlossen.

Die schweren grauen Wellen treiben immerzu unter das Strandeis, höhlen es von unten aus, aber der Wind ist viel friedlicher als 'da draußen, wo ich herkomme', als wollte er Rücksicht nehmen auf alte Paare, die hier flanieren und einträchtig deutsch reden. Pommernland. Oder die Händler, die sich mit Ramsch einen abfrieren. Ein vielleicht 11jähriger windet sich als Schlangenmensch zu einer polnischen Version von We Are The World. Eine Gleichaltrige spielt als Berufskind stoisch Gummistrippenschlagball vor einem Denkmal, bis zwei alte Tanten auf deutsch sich gluckig interessieren, sie hockt sich freundlich vor sie, bis klar wird, dass die nur schwatzen, nichts kaufen. Der Blick, den sie aufstehend um sich wirft, vertreibt mich gleich mit. Werde nicht erfahren, was für eine Sitte das ist: Vermählung von Meer und Armee, der mit dem Denkmal gehuldigt wird - es klingt so albern wie das Monument aussieht.
Jetzt am Hafen zu warmem Apfelkuchen dies Tippen mit einem Finger. Das Lied, das grad spielt: In the Army Now.

Nachtrag: Kowobtscheck ist ein Hafen, zwei Altstadtreste, viele Parks, um die Hochhäuser rumstehn, die eine Stadtgröße vortäuschen, die nach 15 Minuten Fußweg in jede Richtung zuende geht. Bei der Einfahrt hab ich eine große Kirche gesehn, die war dann wie weg.
Am Bahnhof isst man gut und billig.

Nachtrag 2: die Kirche ist riesig und war beim Rausfahren angestrahlt. Will nochmal hin.

Dienstag, 23. Februar 2010

Ausflug nach Dzwyrzino

Badeorte im Süden zur Nachsaison sind oft traurig und wie vernachlässigt. Man schlendert wehmütig dort entlang, wo es einmal heiß und bunt war und fand sich damals lebendiger. Badeorte an Polens Ostseeküste haben auch zur schönsten Sommerzeit nichts richtig Malerisches und wenig Verführerisches an sich, es sei denn, man wäre 15 und jede Aussicht auf Nacktes, Alk oder Fetenremmidemmi wäre willkommen.
Ein polnischer Ostseebadeort im kalten Winter ist also die athmosphärische Härte selbst. Eine nackte Kleiderpuppe, von der man sich auch behängt nichts verspricht. Ein abgeblätterter Metallzaun, der in den Boden abgesunken eine aufgegebene Baustelle absperrt. Ein ins Wasser führender Kai, der in ein Abflussrohr, das rostet, übergeht. Das alles gibt es in Dzwyrzino. Das einmal Dwirin hieß. Wo bis vor 15 Jahren Baustopp war wegen militärischem Sperrgebiet. Der Ort ist so hässlich, dass er mir das Herz weit gemacht hat. Und wie so oft in der schlimmsten ästhetischen Öde: Die dort Lebenden großzügig, freundlich, gelassen. Ein wenig verloren zwischen ihren abblätternden Schildern und Wegweisern, die von einem anderen Leben erzählen, das wiederkommen soll: von ryby, lodi und Foto Filmy.
Dann aber abgebogen zum Strand: Der Wind viermal stärker, die Buhnen eingefroren und überhäuft von bizarren Eisfiguren, das Wasser grau, ruhig tobend, eine gewellte Fläche, die sich gar nicht groß anstrengen müsste in ihrer Kälte und Kraft, um sich zu holen, was da hinter dem kleinen Wällchen so lebt. Diese Ostsee hier hat den gleichen Namen wie das Seenland um Flensburg herum? Muss ich glauben.

...

Ich geh gleich schwimmen. Schätze, ich werde der einzige sein. 3 Whirlpools und 3 Bahnen mit 25 Metern Länge werden bereitliegen, 25 Badeliegen bereitstehen mit Blick auf den verschneiten Grillplatz und die Dünen dahinter. Seit gestern Nacht weiß ich, das dann das Meer kommt. Es ist immer wieder schwer, sich den Einbru...ch von Katastrophen in solch abgesicherte Anlagen, Sicherheitsrat - und Energiemonster vorzustellen, und wenn der ganze Aufwand für vielleicht 25 Gäste betrieben wird, fühlt man sich stark und wie eingeflogen. Und wenn es hier voll ist im Sommer (und den Parkplätzen nach muss es höllisch voll sein), wird man an ganz andere Dinge denken. Aber gestern Nacht am verschneiten Strand dachte ich begeistert: Das kann nicht gut gehn.

Montag, 22. Februar 2010

Reisebericht 1

Der Zug knarrt zwischen den Waggons, so, wie ich mir die Reise vorstelle: laut, gemuetlich, kaputt. Auch die Sprache ist schon die andere: Zisch zisch zisch sagen die Frauen, die aufgeregt Platz suchen fuer ihre Gruppe.
Sobald die Stadt vorbei ist, kommt das Winterland wieder, ein bisschen schmuddeliger der Schnee, so wie mein Anorak, der ja auch 4 Monate Wintergebrauch Tag fuer Tag an sich hat. "Das ist gut, das macht unauffaellig", sagte Kristjane gestern noch. Und so kreuzen wir unauffaellig aneinander vorbei, Winterland und ich.
Parsteiner See, auf dessen weiches Eis wir uns noch vor 5 Tagen wagten, kommt mit Sonne - und vorbei. Ob der Schnee an der Garage schon geschmolzen ist?
Jetzt geht's langsamer voran, Kraehen fliegen mit. Ein Kind macht in der fremden Sprache sehr laut: Mama - tuut -
"wie wir die Leute freisetzen, das ist jetzt angesagt", ruft eine klare Frauenstimme in ein Telefon. So ein Satz, der frueher mal ganz anders gemeint sein konnte .
Hinter Feldern mit Hasen drauf dann die Grenze.

In Stettin natuerlich den Kantor mit dem schlechtesten Kurs erwischt - lern dich dran freuen? Kuemmer dich nicht drum.
Ausfahrt aus dem Bahnhof (den ich extrem groesser, ueberdacht und menschenvoll in Erinnerung habe, diesmal nix als eine popelige Freiluftbaustelle): "Why did you leave Heaven for all these ugly things?"
Dann aber die vereiste, in Stuecken gehaeckselte Oder, Eiswasser fuer einen Riesen-Drink.

Zuckeltrapp. Rudel Rehe direkt an den Bahngleisen, ob sie hier mehr kriegen als vor den spaetgotischen Domen alle paar Kilometer am Kuestensaum? Schneewehen, in die man aussteigt, wenn man hier aussteigt.

Samstag, 6. Februar 2010

aufklärung

für eine seite der piratenpartei habe ich grad einen eintrag gemacht zu dem thema, ob der staat eine cd mit daten von steuerhinterziehern kaufen darf. folgt:

Dass illegale Praktiken angewendet werden, um kriminelle Taten aufzudecken, ist doch Alltag: Spitzel sitzen in gewaltorientierten Gangs, in Diebesbanden, in allen für die veröffentlichte Meinung unliebsamen politischen Gruppierungen (der halbe NPD-Vorstand gehorcht dem Verfassungsschutz), der provozierende Agent ist in unserem Rechtsstaat eine normale Erscheinung geworden und die Kronzeugin auch. Die bekommt Straffreiheit und eine (teure) neue Identität, der Anbieter der Datensätze bekommt Geld, um sich solch eine Identität selbst zu finanzieren. Wozu die Aufregung? Wäre sie ebenso groß, wenn ein attraktiver 19jähriger Jesuitenpadres zu Kuschelsex animieren würde im Auftrag einer Bürgerinitiative oder einer 'aufklärenden Behörde'?
Neu ist nur, dass jetzt einmal Angehörige der oberen Mittelschicht wegen ihrer kriminellen Energie verfolgt werden. Bisher galt da ein Tabu. Aber der Klassenkampf verschärft sich, die regierenden Parteien verraten grad einen Teil ihrer Klientel. In 20 Jahren wird es diese Mittelschicht kaum mehr geben - nur noch die ganz Reichen und die Verarmten. Da muss man sich als Politiker irgendwann entscheiden, für wen man arbeitet. Und bei der zu erwartenden übergroßen öffentlichen Armut ist natürlich auch Geld nötig, um ein paar Mindeststandards zu finanzieren, also muss man an das entzogene Steuergeld der ehemaligen Freunde irgendwann mal ran.
Dass das so aussieht wie 'Rächer der Verarmten sein', steht Herrn Schäuble & Frau Merkle vielleicht sogar gut.
Und über diese einvernehmlich angebahnte Entwicklung, die die Volksvermögen umschichtet in Konzernvermögen, sich aufzuregen, das finde ich, wäre politisch gedacht.
(Ich rechne übrigens nicht damit, dass auf der CD 'große Fische' sein werden, das wird man vielleicht schon gecheckt haben, denn noch einmal Zumwinkel, noch einmal mit dem Prozess bis Punkt Null Uhr warten, damit der arme Teufel Verjährung beantragen kann, das wäre dann vielleicht doch zu peinlich.
Obwohl: Was könnte peinlicher sein als Rösler/Niebel?

Sonntag, 29. November 2009

...

Paar mit 2 kleinen Jungs, Vater voll im Kinds-Enterteachment-Geschäft, der Zug hält am Bahnhof Esslingen, Mann fragt: „Weißt du noch“, seine englisch-bengalische Frau antwortet seufzend: „Oh yes, life was completely different then. If you know what I mean...“

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